Die Kreativitäts-Konsumenten

In den Fotografie-Foren ist mir aufgefallen, dass dort in den jeweiligen Bereichen für Bildbearbeitung mehr und mehr Themen zu finden sind mit Überschriften wie:
• „Wie bearbeite ich meine Bilder wie …?“
• „Wie diesen Bildstil hinbekommen?“
• „Photoshop-Action für …-Effekt?“
• „Wie macht … das?“

Diese Fragen lassen mich an der Motivation der betreffenden Fragesteller zweifeln.
Hier meine Gegenfragen (Vorsicht, kann Spuren von Sarkasmus enthalten):

Sind wir alle schon „Foto-Effekte-App“ geschädigt?
Warum wird erwartet, dass es eine einfache Lösung gibt? Warum wird vorausgesetzt, dass man mit einem passenden „Filter“, „Effekt“ oder „Preset“ die ganze Kreativität eines Künstlers selber einfach auf Knopfdruck nachbilden kann?

Es hat den Anschein, dass einige Amateur-Fotografen immer mehr auf „vorgefertigte Effekte“ vertrauen. Ja, sie erwarten regelrecht eine entsprechende Lösung möglichst auf Knopfdruck geliefert zu bekommen.

Aber das ist in etwa genau so kreativ wie „Malen nach Zahlen“.

Sich selber in langwieriger Arbeit mit der Materie auseinanderzusetzen und die nötigen Grundlagen zu erlernen scheint „out“ zu sein. Wenn schon ein „cooler Style“, dann bitte ohne Aufwand. Nur das Lob für die Bilder, das stecken wir dann gerne selber ein, nicht wahr?

Dumm ist nur: Auch das ist keine Kreativität. Das ist armselig.

Warum probiert ihr es nicht einfach selber aus?
Natürlich gibt es Stile von Anderen die einem gefallen. Das ist normal und war schon immer so.

Die Maler der Vergangenheit mussten selber herausfinden, was ihnen an den Bildern ihrer Vorbilder so gut gefällt. Sie sind bei den entsprechenden Meistern teils jahrelang in die Schule gegangen um zu lernen und zu verstehen. Das war aktive, langwierige Arbeit.

Die Fotografen der Analog-Ära mussten selber lernen wie ihr Vorbild die Abzüge unter dem Vergrößerer mittels Abwedeln und Nachbelichten so bearbeitet hat, dass ein passendes Resultat dabei herauskam. So etwas geht nicht „auf Knopfdruck“, dafür muss man selber ein Gefühl entwickeln. Und das geht nur durch eigene Arbeit und eigene Erfahrungen.

Und auch, wenn es heute durch die Digitaltechnik alles etwas einfacher geworden ist: Erwartet Ihr ernsthaft, dass ein anderer sich die Mühe macht einen eigenen Stil zu entwickeln und ihn Euch dann einfach so auf dem Silbertablett serviert?

Warum investiert Ihr nicht die eigene Zeit und Mühe, wenn ihr es schon wissen wollt? Wenn es Euch das nicht wert ist, dann kann es Euch auch nicht wichtig genug sein, oder?

Warum nicht selber einen eigenen Stil entwickeln?
Wenn Ihr eine bestimmte Vorstellung von einem Bildergebnis habt, dann versucht Euch doch selber einmal daran dieses Ergebnis aus Euren Bildern herauszukitzeln. Vielleicht entwickelt Ihr ja einen ganz eigenen Stil?

Aber Vorsicht: Hier fängt die eigene Kreativität an.

Klarstellung
Bitte betrachtet diesen Beitrag als meine ganz persönliche und sicher kontroverse Meinung. Mir ist klar, dass es viele gute Gründe geben kann, nach bestimmten Vorgehensweisen bei der Bildbearbeitung zu fragen. Und sei es nur, um selber etwas dazuzulernen.

Mir geht es hier aber um die Personen, die eine komplette Bearbeitung am Liebsten „serviert bekommen wollen“, ohne sich selber mit der Materie auseinandersetzen zu wollen. Wenn das auf den geneigten Leser nicht zutrifft, um so besser.

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