Arbeiten mit Lightroom und Co.


Winterzeit. Zeit, sich um die Verwaltung der während des Jahres gemachten Bilder zu kümmern und die Organisation der wachsenden Datenmengen zu überdenken.

In den letzten Jahren haben in der Fotografie so genannte "Digital Asset Management" Programme (gerne neudeutsch auch "Workflow Programme" genannt) den Markt erobert. Viele Fotografen haben daraufhin ihre Arbeitsabläufe entsprechend verändert oder komplett neu gestaltet und setzen nun Programme wie Photoshop Lightroom von Adobe oder Aperture von Apple ein.

Trotz einer Menge von Artikeln und Workshops im Internet sind in den Foto-Foren immer wieder Fragen zur Verwendung dieser Programme zu lesen. Deshalb finden Sie an dieser Stelle ein paar grundsätzliche Dinge zur Verwendung von Lightroom und Co.
Das Problem mit der Dateiverwaltung
Früher oder später sammeln sich die digitalen Fotos auf der Festplatte an. Viele Fotos. Das Problem: Sie sind an verschiedenen Terminen aufgenommen worden, zu verschiedenen Anlässen, evtl. noch mit verschiedenen Kameras. Und dann gibt es noch die bearbeiteten Fotos. Möglicherweise gar mehrere alternative Bearbeitungen eines Fotos:
  • Eine mit Wasserzeichen für die Website
  • Eine in maximaler Größe für das Fotobuch
  • Eine kleine für die Email an die Tante…

Irgendwann ist es dann vorbei mit der Ordnung auf der Festplatte und der Fotograf fängt an sich Gedanken über eine möglichst sinnvolle Ablagestrategie zu machen. Beliebt sind Ordnerstrukturen auf der Festplatte nach dem Muster "DATUM_Beschreibung-des-Ereignisses" mit mehreren Unterverzeichnissen wie "Original", "Verkleinert", "Web" oder ähnlichem.

Aber was ist, wenn man alle seine Landschaftsfotos sehen möchte?
Oder alle Bilder mit Tante Berta finden muss?

Integrierter Arbeitsablauf?
Für diese Zwecke gibt es eine ganze Reihe von so genannten Bildverwaltungsprogrammen oder Bildbetrachtern. Das sind zumeist Programme die es einem ermöglichen die einzelnen Ordner auf der Festplatte durchzublättern und die darin enthaltenen Bilder in einer Übersicht anzuzeigen. Meistens kann man die Bilder zusätzlich in voller Bildschirmgröße betrachten und in manchen Programmen kann man sogar Informationen zu den Bildern hinterlegen die dann mit dem Bild angezeigt werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass man nach den einmal eingegebenen Daten suchen kann. Es ist also kein Problem alle Bilder mit Tante Berta wiederzufinden.

Allerdings dienen diese Programme "nur" dem Auffinden und Betrachten der Bilder. Es wird immer noch eine ganze Reihe zusätzlicher Programme benötigt um den gewünschten Arbeitsablauf abzubilden. Das fängt beim Import der Bilder mit einem eigenen Import-Programm an das einem die Möglichkeit zur Erzeugung der gewünschten Ordnerstruktur (und ggf. Umbenennung der Datei) bietet. Weiter geht es sobald man etwas mit dem Bild machen möchte. Dann verlässt man das Programm üblicherweise wieder. Möchte man beispielsweise das RAW-Bild entwickeln, so wechselt man in den entsprechenden RAW-Konverter. Soll das Bild verkleinert oder verändern werden wechselt man in die Bildbearbeitung usw.

Aber wie …
unterscheidet sich das jetzt von Lightroom und Co.?
Verwendet man ein Programm wie Lightroom, dann hat man alle notwendigen Werkzeuge unter einer einzigen Programmoberfläche zur Verfügung und verlässt diese nur noch um tiefgreifende Veränderungen am Bild vorzunehmen (wie z.B. Erzeugung eines HDR oder komplexe Bildveränderungen mit Photoshop).

Das bedeutet:
  • Bildimport mit automatischer Umbenennung und Erzeugung einer Ordnerstruktur
  • Bild-Durchsicht mit Bewertungsmöglichkeiten
  • Beschriftung der Bilder mit Stichworten
  • Änderung der EXIF- und IPTC-Daten
  • Thematisches Zusammenfassen der Bilder in virtuellen Ordnern (Sammlungen)
  • Erzeugung von intelligenten Ordnern (automatische Sammlungen anhand von Suchkriterien)
  • Suchen nach Bildern anhand von Stichworten, EXIF-Daten usw.
  • Entwickeln des RAW-Bildes inkl. der benötigten Bildbearbeitungsfunktionen
  • Erzeugung virtueller Kopien für mehrere alternative Bildentwicklungen
  • "Stapeln" (=Zusammenfassen) von mehreren Alternativen Bearbeitungen oder gleichartigen Aufnahmen
  • Export der Bilder im gewünschten Format mit allen vorgenommenen Veränderungen und Anpassungen
  • Weitreichend konfigurierbare Druckausgabe
  • Erzeugung von Diashows
  • Erzeugung von Web-Fotoalben
  • Automatische Erstellung und Verwaltung einer Bildkopie und Übergabe an externe Bearbeitungsprogramme
  • Seit LR 3 automatische Synchronisierung von Bildsammlungen mit einem Verzeichnis auf der Festplatte oder bei Flickr etc. (Siehe: Der Veröffentlichungsmanager von Lightroom 3)

Alle diese Punkte sind innerhalb eines Programmes möglich. Und das alles ist nicht destruktiv. Das bedeutet, dass das Originalbild dabei nicht verändert wird. Alle Änderungen die sie im Programm vornehmen werden in einer Datenbank abgelegt und erst beim Export in die erzeugte Bilddatei hineingerechnet. Damit ist es jederzeit möglich einige oder alle Änderungen zu korrigieren oder zu verwerfen ohne dass das Originalbild an Qualität verliert.

Will man jetzt doch tiefgreifende Eingriffe an einem Bild vornehmen, dann kann man direkt aus Lightroom heraus die gewünschte Bildbearbeitung (z.B. Photoshop, Gimp) aufrufen. Lightroom erstellt dann eine "Arbeitskopie" des Bildes mit allen vorgenommenen Anpassungen, Stichwörtern etc. (ähnlich wie bei einem Export) und öffnet das Bild direkt in der Bildbearbeitung. Dort kann es verändert und gespeichert werden. Verlässt man die Bildbearbeitung wieder, findet man das bearbeitete Bild als Kopie direkt in Lightroom vor. – Auf Wunsch gleich "gestapelt" mit dem ursprünglichen Bild von dem es abstammt.

Notwendige Anpassungen
Natürlich hat jeder Fotograf andere Vorstellungen davon wie die Bilder auf der Festplatte abgelegt werden sollen, wie die Bilder beim Import benannt werden sollen, wohin die exportierten Dateien gespeichert werden sollen usw.

Dafür gibt es in Lightroom so genannte Presets. Dort kann man für alle diese und viele weitere Punkte die gewünschten Einstellungen vornehmen und abspeichern.

Will man Fotos für die eigene Website exportieren, dann klickt man einfach auf das einmal erstellte Preset und die Dateien werden im richtigen Format, mit der richtigen Größe und an die richtige Stelle exportiert. Oder hat man viele gleichartige Bilder die alle auf die gleiche Art beschriftet und nachbearbeitet werden sollen? Ein Klick auf das passende Preset und die Bilder sind entsprechend beschriftet. Ein weiterer Klick auf ein Preset für die Verarbeitung und die Entwicklungseinstellungen des Bildes werden entsprechend angepasst.

Die Vorteile
Alle meine Aktivitäten sind unter einem "Dach" zusammengefasst. Ich muss nicht von einem Programm ins nächste wechseln um den nächsten Schritt durchzuführen.

Ich muss keine (speicherplatzintensiven und unübersichtlichen) Kopien bzw. Versionen von meinen Bildern für die verschiedensten Zwecke mehr lagern. Wenn ich ein Bild benötige, dann exportiere ich es genau auf den Bedarf zugeschnitten: Richtiges Dateiformat, richtige Größe etc. Und nach der Verwendung lösche ich es wieder. Schliesslich kann ich das Bild bei Bedarf jederzeit wieder mit den gleichen Einstellungen exportieren.

Zusätzlich macht ein solches Programm bei entsprechender Konfiguration die Verwendung von Bildern im RAW-Format genau so einfach und problemlos möglich wie die Verwendung der von der Kamera fertig entwickelten JPG-Dateien. Das genaue Vorgehen hierbei ist aber ein Thema für sich und soll in einem anderen Blog-Eintrag behandelt werden.

Umdenken ist notwendig
Einen "Haken" hat die Sache allerdings: Man muss sich auf den Arbeitsablauf innerhalb der gewählten Software einlassen. Denn anders als bei den Lösungen mit den vielen einzelnen Programmen für einen bestimmten Anwendungsfall (Import, Ansehen, RAW-Entwicklung, Beschriftung...) erledigt man nun sämtliche Aufgaben innerhalb dieser einen Software:
  • Ich will ein Bild suchen? Dann mache ich das innerhalb von Lightroom und nicht etwa mit dem Windows Explorer oder dem Mac-OS Finder. Denn dort sind die entsprechenden Informationen hinterlegt.
  • Ich will meine Bilder an eine andere Stelle Verschieben? Dann bitte innerhalb von Lightroom (woher soll das Programm sonst auch wissen wo die Datei von nun an liegt).
  • Bilder löschen die nichts geworden sind? In Lightroom, damit die dazugehörigen Daten auch mit aus der Datenbank entfernt werden.

Jetzt mögen einige Fotografen sicherlich aufschreien und sagen: "Wie kann man die komplette Kontrolle einem Programm überlassen?" und: "Ich will die Bilder aber ggf. selber mit dem Explorer in einen anderen Ordner auf der Festplatte verschieben ohne extra Lightroom zu starten!“

Meine Gegenfrage: "Warum?"

  • Die Bilder sind ja nicht "weg". Sie liegen nach wie vor auf der Festplatte und können auch ohne Lightroom verwendet werden, wenn man vielleicht irgendwann irgend eine andere Software verwenden will oder muss.
  • Wenn ich irgendwann wirklich ohne Lightroom weiterarbeiten will oder muss ist Lightroom ja nicht von jetzt auf gleich weg. Ich kann also notfalls alle Bilder mit den in Lightroom vorgenommenen Veränderungen exportieren. Dann habe ich die "fertigen" Bilder neben den Originalen und bin somit genau da wo ich ohne Lightroom auch wäre (siehe ganz oben).
  • Die vorgenommenen Entwicklungseinstellungen am (RAW)Bild kann man auch als XMP-Datei mit dem Bild zusammen speichern. Das ist ein genormtes Format und nicht nur Lightroom sondern auch diverse andere Programme können so die vorgenommenen Veränderungen am Bild lesen und direkt auf das (RAW)Bild anwenden.
  • Der konkrete Name des benutzten Unterverzeichnisses ist vollkommen egal. Ich muss die Dateien ja nicht manuell auf Dateisystemebene selber anordnen. Schliesslich habe ich alle erdenklichen Möglichkeiten innerhalb von Lightroom um die Bilder schnell wiederzufinden und zu verwenden. Ich bearbeite sie ja ohnehin nur noch aus Lightroom heraus.

Bei anderen Daten ist diese Arbeitsweise doch schon seit Jahren ein akzeptiertes Vorgehen.
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