Die beste Kamera...


Gedanken zur Auswahl der Kamera-Ausrüstung und der Aussage "Die beste Kamera ist die, die man dabei hat." ("The best camera is the one you have with you." - Chase Jarvis)
Aber was ist, wenn man immer eine gute Kamera dabei haben möchte?
Ich fotografiere gerne. Und nachdem ich bereits analog mit diversen Kameras gearbeitet habe landete ich in der digitalen Welt schnell bei einer Spiegelreflex-Kamera. Zu Anfang war es eine Dreistellige von Canon. Später dann eine Zweistellige. Und mit jedem Wechsel war ich mit der Performance der Kamera ein Stückchen mehr zufrieden.

Doch da gab es noch eine Kehrseite: Mit jedem "Upgrade" wuchs auch die Größe des Kamera-Bodies. Und da auch die Objektive immer wieder gegen bessere Modelle ausgetauscht wurden, war aus der relativ kleinen, leichten 400D mit Kitobjektiv dann eine deutlich schwerere und größere 40D mit einem 17-40 L als Standard-Objektiv geworden. Und diese Kamera ist, bei aller Liebe, keine "immer-dabei-Kamera".


Was tun?

Eine Kompakte musste her, als Ergänzung der Ausrüstung und für die Situationen in denen die "Große" zu Hause bleiben sollte. Doch was nehmen? Sie sollte natürlich die gewohnten und lieb gewonnenen Einstellmöglichkeiten und Halbautomatiken (Av, Tv etc.) haben. Und nach einigem Hin und Her wurde es dann die Canon Powershot G9.

OK, es war keine Kamera für die Hemdentasche. Aber sie war zumindest klein genug, daß ich sie in meiner Arbeitstasche (oder notfalls in einer kleinen Umhängetasche) immer dabei haben konnte. Hier habe ich bereits darüber berichtet.

Weitere Vorteile: Sie konnte im RAW-Fomat aufnehmen, die Bildqualität war für eine Kompakte ziemlich gut und ich konnte sogar mein Zubehör (Systemblitze) der Großen weiter verwenden. Eigentlich sollte jetzt alles gut sein, oder?

Aber dann stellte ich fest, dass ich
  • Meistens nur die 35 mm Stellung des Zoom-Objektives verwendete
  • Fast nur mit Offenblende fotografierte (um wenigstens ein wenig selektive Schärfe zur Verfügung zu haben)
  • Das Zubehör der DSLR nicht ein einziges Mal an der G9 verwendet habe

Stattdessen störten mich zunehmend die Beschränkungen der Kompaktkamera:
  • Ab ISO 200 aufwärts rauschte die Kamera für meine Verhältnisse extrem. Immerhin bin ich den Sensor einer DSLR gewohnt.
  • Der winzige Sensor liess mich nicht so mit der Schärfentiefe "spielen" wie ich es von meinen Spiegelreflexkameras gewohnt war
  • Der winzige Sucher war mir zuwider, da war ich selbst von meiner 30 Jahre alten Minox 35 weit besseres gewohnt.

Leider verloren. Zurück zum Start: Was tun?

Diesmal wollte ich es "richtig" machen: Eine Kamera, klein genug damit ich sie auch wirklich mitnehmen konnte. Aber groß genug, dass sie die folgenden Bedingungen erfüllen konnte:
  • Ein "ordentlicher" Sensor mit brauchbarer Größe und dem entsprechenden (besseren) Rauschverhalten
  • Ein Objektiv, das mindestens 2.8 als (benutzbare) Anfangsblende bietet
  • Einen brauchbar schnellen Autofokus (Sprich: Mindestens gleich gut wie die G9)
  • Einen Sucher, der den Namen auch verdient (zumindest optional zum Bildschirm)

Eine Festbrennweite stellte für mich keinen Abschreckung dar, schliesslich habe ich auch an der DSLR mit Festbrennweiten gearbeitet und für meine analoge Spiegelreflex besaß ich gar kein Zoom-Objektiv. Stellte sich nur die Frage nach einer möglichst universellen Brennweite.

Ich tendiere persönlich eher zu einem Normalobjektiv, aber eine Brennweite vergleichbar mit 35mm an einer Kleinbildkamera sollten mir auch recht sein.

Die Lösung

Vor einiger Zeit hat Sigma als erster Hersteller damit begonnen, große Sensoren in kompakte Kameragehäuse einzubauen. Jetzt haben andere Hersteller nachgezogen, so dass man die Wahl zwischen Kameras von Signa, Olympus, Panasonic und Leica hat.

Die Leica X1 schied aufgrund des Preises aus.

Die Sigma hat mir einfach nicht gefallen. Nichts gegen die Kamera, aber ich empfand sie irgendwie als dünnwandig und die Objektivmotoren machten ein kreischendes Geräusch. Ausserdem wollte sie mir nicht richtig in der Hand liegen. Eine reine Gefühlsentscheidung also.

Die Panasonic war noch nicht auf dem Markt verfügbar und mich störten auch die vielen kleinen Schiebeschalter etc. (wieder Bauchgefühl)

Aber die Olympus hatte es mir angetan.
Sie sah noch aus und fühlte sich an wie eine "richtige" Kamera. So wie die Sucherkameras mit denen ich so gerne fotografiert habe (wer kennt noch die Yashica Elektro 35, die Revue 400 SE oder die Rollei 35?). Nicht so wie die runden, rosafarbenen Plastikdinger die derzeit zuhauf in den Regalen der Elektromärkte liegen.

Bei dem Objektiv wurde nicht groß überlegt. Anstatt des weiter verbreiteten Zoom-Objektives wurde die Kamera mit dem 17 mm Pankake gekauft, was einem 35 mm Objektiv an Kleinbild entspricht.

Die Vorteile:
  • Im Kit liegt ein passender optischer Aufstecksucher dabei. Somit bin ich auch für grellen Sonnenschein und dunkle Abende gerüstet und kann die Kamera auch wieder in gewohnter Haltung vor das Auge nehmen anstatt mit abgestrecktem Arm zu fotografieren (kein Wunder, dass die Leute heute alle einen Stabilisator benötigen).
  • Die Kamera ist mit dem Pancake flacher und deshalb leichter mitzunehmen als mit dem Zoom-Objektiv.
  • Eingebauter Blitz? Nein. Aber dank des Sensors (und Stabilisators) wird der auch nicht benötigt.

Und von den Ergebnissen bin ich schwer begeistert. Alle Bilder in diesem Blog-Eintrag sind mit der E-P1entstanden.

Wenn ich tatsächlich mal mit einer extremen ISO-Einstellung fotografiere (größer als 1600), dann ist das Rauschen immer noch ansprechender und Filmkorn-ähnlicher als bei der G9 bei ISO 400.

Da macht es sogar Spass, bei ISO 3200 Schwarzweiss-Bilder aufzunehmen. Man fühlt sich plötzlich wieder wie mit der Minox und einer Rolle gepushtem Ilford HP5.

Ich denke, ich habe meine Immer-dabei-Kamera gefunden.

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